"Die Parabel der Wut": Eine radikale Hommage an den unperfekten Körper bei den Wiener Festwochen
Friedrich-Wilhelm Wernecke"Die Parabel der Wut": Eine radikale Hommage an den unperfekten Körper bei den Wiener Festwochen
Eine mutige neue Performance: Die Parabel der Wut feiert Premiere bei den Wiener Festwochen im Odeon
Die Inszenierung Die Parabel der Wut (La Parabole du Seum), unter der Regie von Rébecca Chaillon, stellt mit einer immersiven Auseinandersetzung mit Fett – insbesondere Butter – gängige Körperbilder infrage. Der Titel spielt vieldeutig auf eine Parabel, eine Satellitenschüssel und das französische Wort für Wut (seum) an.
Sieben Performende, die sich bewusst gegen herkömmliche Schönheitsnormen stellen, beherrschen die Bühne fast drei Stunden lang. Sie setzen sich intensiv mit Butter auseinander – sie verteilen sie, stellen sie her und laden das Publikum sogar ein, sie zu kosten. Julie Teuf reicht den Zuschauer:innen Butter und bittet sie, an einer Verlosung teilzunehmen.
Die Darsteller:innen, gekleidet in goldene Unterwäsche und buttergelbe Roben, entledigen sich ihrer Kleidung und inszenieren Szenen aus The Biggest Loser nach. Gleichzeitig nehmen sie Bodybuilder-Posen ein, während sie von ihren persönlichen Geschichten erzählen: vom Aufwachsen in den Pariser Banlieues, von körperlicher Gewalt, Essanfällen und dem Leiden am eigenen Körper.
Regisseurin Rébecca Chaillon, die sich selbst als fett bezeichnet, greift auf eigene Erfahrungen und die ihrer Ensemblemitglieder zurück. Inspiriert ist die Produktion von Octavia Butlers Roman Parabel des Sämanns (Parable of the Sower) und erforscht den „Glaubenszauber“, der mit Körperformen verbunden ist. Die Performenden entschuldigen sich für ihre Körper – oft als provokativ wahrgenommen – und konfrontieren die Zuschauer:innen ungeschönt mit gesellschaftlichen Haltungen.
Die Aufführung sprengt Grenzen, indem sie Humor, Verletzlichkeit und Trotz vereint. Sie hinterlässt ein schonungsloses Porträt von körperlicher Selbstbestimmung und den Widersprüchen der Selbstakzeptanz. Mit ihrem provokanten Ansatz regt das Stück Debatten über gesellschaftliche Normen an und zeigt auf, wie sehr Überzeugungen unsere Wahrnehmung prägen können.






