Düstere Mythen um Kinderreime: Was steckt wirklich dahinter?
Friedrich-Wilhelm WerneckeDüstere Mythen um Kinderreime: Was steckt wirklich dahinter?
Kinderreime wie Humpty Dumpty oder Der Muffin-Mann wecken seit jeher Neugier auf ihre Herkunft. Manche Theorien bringen sie mit düsteren historischen Ereignissen in Verbindung, doch die meisten bleiben unbelegt. Aktuelle Forschungen geben nun Aufschluss über ihre wahrscheinliche Bedeutung.
Humpty Dumpty tauchte erstmals 1797 in Druckschriften auf – allerdings ohne Bezug zu einem Ei. Stattdessen bezeichnete der Begriff im 18. Jahrhundert eine übergewichtige oder tollpatschige Person. Zudem stand er für ein Getränk aus Branntwein und Bier.
Eine Theorie verknüpft den Reim mit einer Kanone namens Humpty Dumpty, die während des Englischen Bürgerkriegs von einer Mauer stürzte. Eine andere deutet ihn als Anspielung auf König Richard III., der in der Schlacht von Bosworth Field vom Pferd fiel. Beide Behauptungen sind jedoch nicht belegt.
Der Muffin-Mann geht auf das Jahr 1820 zurück und beschreibt vermutlich Londons Straßenhändler, die Gebäck verkauften. Ein weitverbreiteter, aber unbewiesener Mythos behauptet, der Reim beziehe sich auf Frederick Thomas Lynwood, einen angeblichen Serienmörder. Historiker halten dies für unwahrscheinlich.
Auch London Bridge brennt (im Original: London Bridge Is Falling Down) wurde mit makabren Theorien in Verbindung gebracht, etwa mit einer grausamen Hinrichtungsmethode. Doch auch hier fehlen stichhaltige Beweise.
Viele Kinderreime wurden im Laufe der Zeit mit unheimlichen Geschichten verknüpft. Doch die meisten Theorien entbehren jeder Grundlage und dürften auf Fehlinterpretationen beruhen. Tatsächlich spiegeln die Reime oft schlicht den Alltag vergangener Jahrhunderte wider.






