Entwicklungshilfe am Scheideweg: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Geld
Friedrich-Wilhelm WerneckeEntwicklungshilfe am Scheideweg: NGOs fordern radikale Reformen und mehr Geld
Die Generalsekretäre von Welthungerhilfe und Terre des Hommes haben am Mittwoch ihren Jahresrückblick zur deutschen Entwicklungspolitik vorgestellt. Mathias Mogge und Joshua Hofert wiesen auf zentrale Herausforderungen hin und forderten dringende Reformen bei der Umsetzung und Finanzierung von Entwicklungshilfe.
Mogge und Hofert begrüßten zwar die Pläne der Bundesregierung, die Entwicklungspolitik neu auszurichten, warnten jedoch, dass der aktuellen Reform eine klare Strategie fehle. Sie betonten, dass die Zivilgesellschaft, lokale Partner und junge Menschen eine verbindliche Rolle bei der Gestaltung der Veränderungen spielen müssten – anstatt Entscheidungen allein den Berliner Behörden zu überlassen.
Mogge unterstrich, dass Entwicklungshilfe Qualität vor Quantität priorisieren und Bürokratie abbauen müsse, um effektiver mit lokalen Akteuren zusammenzuarbeiten. Zudem forderte er mehr Mittel – nicht nur für die Krisenbewältigung, sondern auch für präventive Maßnahmen, da die humanitären Anforderungen stetig wachsen.
Seit 2022 hat die Bundesregierung den Etat für Entwicklungszusammenarbeit um ein Drittel gekürzt; bis 2027 sind weitere Kürzungen zu erwarten. Die Organisationen forderten eine Aufstockung der humanitären Hilfe auf 2,8 Milliarden Euro im kommenden Jahr – gegenüber derzeit einer Milliarde Euro.
In ihrem gemeinsamen Bericht warnten die NGOs, dass Entwicklungshilfe zunehmend politisiert werde und damit ihre Grundprinzipien der Neutralität und Unabhängigkeit gefährdet seien. Zudem stehe die Entwicklungspolitik unter wachsendem Druck durch globale Krisen, Kriege und den Klimawandel. Die Organisationen betonten, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit nur dann gelingen könne, wenn sie sich an den Bedürfnissen lokaler Partner orientiere und die Spannungen zwischen deutschen Interessen und denen der Partnerländer anerkenne.
Die NGOs plädierten für einen inklusiveren und strategischeren Ansatz in der Entwicklungspolitik. Sie hoben die Notwendigkeit stabiler Finanzierung, weniger Bürokratie und stärkerer lokaler Partnerschaften hervor. Ohne diese Veränderungen, so ihre Warnung, drohe Deutschlands Entwicklungshilfe in einer zunehmend instabilen Welt an Wirksamkeit zu verlieren.
