Opernhäuser setzen auf Lifestyle statt auf klassische Musikwerbung
Friedrich-Wilhelm WerneckeOpernhäuser setzen auf Lifestyle statt auf klassische Musikwerbung
Große Opernhäuser ändern ihre Strategie, wie sie ihre Veranstaltungen in den sozialen Medien bewerben. Statt den Fokus auf die Musik zu legen, setzen viele nun auf Lifestyle-Inhalte, um ein neues Publikum anzusprechen. Dieser Wandel hat Debatten über die künstlerische Ausrichtung und Authentizität der Oper ausgelöst.
Einige Opernhäuser haben einen modernen, von Influencern geprägten Ansatz gewählt. Der bekannte Opern-Influencer Opera Bert taucht regelmäßig in den Instagram-Feeds verschiedener Institutionen auf, teilt Werbematerial und Höhepunkte von Veranstaltungen. Andere, wie die Festspielhaus Baden-Baden, verbinden klassische Musik mit lässigen Themen wie „Klassik und Spritz“ – moderiert in einem trendigen Ton.
Das Social-Media-Konto der Wiener Staatsoper, betreut von Hemma und Jakob, präsentiert Oper als lebendigen gesellschaftlichen Treffpunkt oder ein groß angelegtes kulinarisches Erlebnis. Die Berliner Staatsoper hingegen nutzt ihre Plattform vor allem, um Sponsoren zu bedienen – Partner wie BMW werden prominent in den Beiträgen platziert.
Nicht alle Häuser folgen diesem Trend. Die Bayerische Staatsoper bleibt der Musik verhaftet und thematisiert Komponisten wie Wagner, das Orchester und ihre künstlerische Vision. Dennoch kritisieren manche Beobachter, dass einige Opernhäuser nach wie vor auf veraltete oder einfallslose Präsentationsformen setzen.
Die Hinwendung zu Lifestyle- und Influencer-Marketing wirft Fragen nach der Identität der Oper auf. Die einen sehen darin eine Chance, das Genre zu modernisieren und jüngere Zuschauer zu gewinnen. Andere befürchten, dass dadurch die Kunst selbst in den Hintergrund gerät – und aus Aufführungen bloße Wohlfühl-Events werden, statt Räume der Reflexion.
