Warum im Profifußball noch immer kein schwuler Spieler geoutet ist
Friedrich-Wilhelm WerneckeWarum im Profifußball noch immer kein schwuler Spieler geoutet ist
Homosexualität unter Männern bleibt im Profifußball ein Tabu. Die Fußballkultur steht oft im Widerspruch zur Vorstellung schwuler Spieler und festigt ein traditionelles Männlichkeitsbild. Dieses Schweigen treibt manche talentierte Sportler dazu, ihre Karriere zu beenden, statt sich dem Druck eines Coming-outs auszusetzen.
2014 machte der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzlsperger öffentlich bekannt, schwul zu sein. Seine Offenbarung sorgte wochenlang für Schlagzeilen und veranlasste sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer Stellungnahme. Zuvor hatte DFB-Trainer Joachim Löw ihm angeblich davon abgeraten, sich früher zu outen – mit Verweis auf die intensive öffentliche Aufmerksamkeit und die Gefahr, dass seine Leistung darunter leiden könnte.
Seitdem hat sich kein weiterer Profispieler in Deutschland zu seiner Homosexualität bekannt. Hitzlsperger arbeitet mittlerweile als Experte für die ARD, unter anderem während der WM-Berichterstattung. Der ehemalige Profi Marcus Urban hingegen hat eine Mentorenrolle für schwule Fußballer übernommen und leitete kürzlich eine Kampagne für einen Coming-Out-Day im Jahr 2024.
Die Fußballwelt erschwert es Spielern oft, sich zu öffnen. Der Ton in den Kabinen ist nicht selten hart und kompetitiv, was es schwulen Akteuren zusätzlich erschwert, sich sicher zu fühlen. Auch Trainer, Berater und Agenten fürchten, ein „Schwulen-Stigma“ könnte den Marktwert eines Spielers mindern – eine weitere Belastung.
Trotz statistischer Wahrscheinlichkeit gibt es im deutschen Profifußball weiterhin keine geouteten schwulen Spieler. Kampagnen und Mentoren wie Marcus Urban wollen das ändern. Doch die Angst vor negativen Reaktionen und beruflichen Konsequenzen hält viele weiterhin zum Schweigen.






