27 April 2026, 12:39

111 Jahre nach dem Völkermord: Warum Schulen das armenische Leid vergessen

Detailierte Karte von Anatolien und Armenien auf Papier mit begleitendem Text, die geographische Merkmale wie Flüsse, Berge und Städte zeigt.

111 Jahre nach dem Völkermord: Warum Schulen das armenische Leid vergessen

In diesem Jahr jährt sich der Völkermord am armenischen Volk zum 111. Mal. Trotz seiner historischen Bedeutung bleibt das Thema in deutschen Klassenzimmern weitgehend ausgeklammert. Überfüllte Lehrpläne, Zeitmangel und fehlende Materialien sorgen dafür, dass es oft vernachlässigt wird – obwohl Deutschland in den Ereignissen von 1915 eine Rolle spielte.

2016 verabschiedete der Deutsche Bundestag eine Resolution, die forderte, den Völkermord an den Armeniern im Schulunterricht zu thematisieren. Der Beschluss erkannte die systematische Ermordung von etwa 1,5 Millionen Armeniern im Osmanischen Reich an. Doch Jahre später wird das Thema in vielen Schulen nach wie vor kaum behandelt – sei es wegen mangelnder Fachkenntnis oder fehlender Unterrichtsmaterialien.

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Ein neuer Roman könnte nun helfen, diese Lücke zu schließen. Im März veröffentlichte der Reclam Verlag Laura Cwiertnias Auf der Straße haben wir andere Namen als Pflichtlektüre für Schulen. Das Buch verbindet die Themen Völkermord, Überleben und Migration, darunter auch die Erfahrungen türkischer Gastarbeiter in Deutschland. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers ordnete den Roman ein und betonte, wie Literatur Schülerinnen und Schüler emotional an schwierige historische Themen heranführen kann.

Lehrkräfte haben damit nun ein Werkzeug, um den Völkermord über Erzählungen zu vermitteln. Der Fokus auf persönliche Schicksale könnte das Thema zugänglicher machen. Dennoch fordern Befürworter, dass gezielte Unterrichtseinheiten – und nicht nur literarische Bezüge – nötig sind, um der Forderung des Bundestags wirklich gerecht zu werden.

Die Resolution von 2016 und Cwiertnias Roman bieten Wege, das Thema in der Bildung zu verankern. Doch ohne umfassende Änderungen der Lehrpläne droht der Völkermord an den Armeniern weiter am Rand zu bleiben. Schulen müssen Zeit und Ressourcen bereitstellen, wenn das Thema zu einem festen Bestandteil des Lernens werden soll.

Quelle