"Energyfish": Schwimmende Mini-Kraftwerke erobern den Rhein bei St. Goar
Friedrich-Wilhelm Wernecke"Energyfish": Schwimmende Mini-Kraftwerke erobern den Rhein bei St. Goar
Ein neues schwimmendes Strömungskraftwerk namens „Energyfish“ wird in deutschen Flüssen getestet
Das von der Firma Energyminer entwickelte Gerät soll zuverlässig und wartungsarm Strom aus Fließgewässern erzeugen. Der erste groß angelegte „Schwarm“ aus 124 Einheiten wird derzeit bei St. Goar am Rhein installiert.
Der Energyfish ist eine kompakte Turbine, die im Fluss verankert wird und aus der Strömung Energie gewinnt. Jede Einheit misst 2,8 Meter in der Länge, 2,4 Meter in der Breite und 1,4 Meter in der Höhe bei einem Gewicht von etwa 80 Kilogramm. Die maximale Leistung beträgt 6 Kilowatt, pro Jahr können rund 15 Megawattstunden erzeugt werden.
Laut Energyminer ermöglicht das System eine durchgehende Stromerzeugung – unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Es sei hochwasserresistent, für Fische unschädlich und erfordere kaum Wartung. Ein Verbund von 100 Einheiten könnte jährlich etwa 1,5 Gigawattstunden liefern, doch die 124-Turbinen-Anlage am Rhein wird im Schnitt nur wenige hundert Kilowatt erzeugen – nicht, wie bei großen Kraftwerken, Dutzende Megawatt.
Die Installation geht schnell vonstatten: Zehn Einheiten lassen sich nach Genehmigung innerhalb von etwa drei Tagen einsetzen. Beton, Staudämme oder schwere Baumaßnahmen sind nicht nötig. Die Stromgestehungskosten sollen bei rund 8 Cent pro Kilowattstunde liegen, die durchschnittliche jährliche Rendite wird über 20 Jahre mit mindestens 8 Prozent angegeben.
Ein Pilotprojekt läuft bereits im Münchner Auer Mühlbach in der Nähe eines herkömmlichen Wasserkraftwerks. Die Technologie soll die natürlichen Schwankungen von Flüssen ausgleichen – etwa bei saisonalen Pegeländerungen, Hochwasser oder Niedrigwasser.
Die Anlage in St. Goar ist die erste „Schwarm-Kraftwerk“-Installation dieser Größe. Der Energyfish könnte eine vielversprechende Alternative für eine stetige, umweltverträgliche Energiegewinnung sein. Ob die versprochenen Kosten und Effizienzwerte halten, wird sich im Verlauf des Projekts zeigen.
