Gesundheitssystem in der Krise: Warum Reformen dringend nötig sind
Friedrich-Wilhelm WerneckeGesundheitssystem in der Krise: Warum Reformen dringend nötig sind
Deutschlands Gesundheitssystem steht wegen Ineffizienz und falscher Mittelvergabe in der Kritik
Führende medizinische Verbände werfen der Bundesregierung vor, dringend notwendige Reformen zu verschleppen. Gleichzeitig mehren sich die Forderungen nach einer besseren digitalen Infrastruktur und einer gerechteren Verteilung der Ressourcen.
Dr. Andreas Gassen, Vorsitzender des Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung (KBV), übt scharfe Kritik an den aktuellen Ausgabenprioritäten. Er bemängelt, dass enorme Summen in die stationäre Versorgung fließen, ohne klare Zielvorgaben – eine „sinnlose Geldverschwendung“. Zudem lehnt die KBV die Apothekenreform ab, die Pharmabetrieben zusätzliche feste Verpackungsgebühren in Höhe von einer Milliarde Euro einbringt.
Gassen wirft der Regierung vor, den Mut für notwendige Veränderungen zu fehlen. Unterstützung erhält er von Dr. Sibylle Steiner, die auf die anhaltenden Probleme mit der Telematikinfrastruktur (TI) hinweist. Tägliche Ausfälle und zersplitterte Datenströme zeigten, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen noch immer unterentwickelt sei. Steiner fordert im geplanten Digitalgesetz Nachbesserungen, darunter eine stabilere TI und bessere Praxisverwaltungssysteme.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Verpflichtung der Kassenärztlichen Vereinigungen, rund um die Uhr telemedizinische Beratungen und Hausbesuche anzubieten – selbst während der regulären Sprechzeiten. Dr. Stephan Hofmeister bezeichnet diese Regelung als „praxisfremd“. Steiner hingegen plädiert dafür, die ärztliche Rufnummer 116117 als öffentliche Dienstleistung einzustufen, um ihre Umstrukturierung langfristig zu finanzieren.
Obwohl ambulante und psychotherapeutische Praxen 97 Prozent aller Behandlungsfälle abdecken, erhalten sie nur 16 Prozent der Gesundheitsausgaben. Die KBV verweist zudem darauf, dass nicht versicherungspflichtige Leistungen mit Kosten von bis zu 45 Milliarden Euro bei Spardebatten ausgeklammert bleiben.
Die KBV und andere medizinische Spitzenvertreter drängen auf sofortige Reformen. Zu den zentralen Forderungen zählen eine fairere Mittelverteilung, eine zuverlässigere digitale Infrastruktur und ein Ende der als ineffizient kritisierten Ausgaben. Ohne diese Änderungen, warnen sie, werde das System weiterhin mit vermeidbaren Ineffizienzen und Ungleichheiten kämpfen.






