08 May 2026, 08:25

Großrazzia enthüllt systematische Ausbeutung in Paketbranche – DHL, DPD und Amazon betroffen

Plakat mit dem Titel "Operation Double Trouble: US-Geldkurier" mit einer Karte der USA, die in zwei Abschnitte unterteilt ist, einen für die Routen der Geldkurier und einen für die Standorte der Carrier, mit fetter schwarzer Schrift auf einem weißen Rand.

Großrazzia enthüllt systematische Ausbeutung in Paketbranche – DHL, DPD und Amazon betroffen

Großrazzia deckt flächendeckende Ausbeutung in Deutschlands Paketdienst-Branche auf

Bei einer groß angelegten Kontrollaktion gegen illegale Arbeitspraktiken sind im deutschen Paketzustellsektor weit verbreitete Missstände ans Licht gekommen. Zollbeamte führten an über 2.900 Standorten Inspektionen durch und stießen auf nicht angemeldete Beschäftigungsverhältnisse, ausstehende Löhne sowie Fahrer, die zu teuren Fahrzeugmieten gezwungen wurden. Die Ermittlungen richteten sich gegen Branchengrößen wie DHL, DPD, Hermes und Amazon – und offenbarten systematische Verstöße gegen Arbeitsstandards.

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An der Aktion beteiligten sich mehr als 2.900 Zollfahnder, die bundesweit Zustellzentren und Depots überprüften. In Köln wurde ein 39-jähriger türkischer Arbeiter ohne gültige Arbeitserlaubnis angetroffen. Ein weiterer Fahrer, ein ukrainischer Staatsbürger, konnte nicht einmal den Namen des Unternehmens nennen, für das er arbeitete – ein Beispiel dafür, wie entfremdet manche Beschäftigte von ihren Arbeitgebern sind.

Die Ermittler deckten auf, dass viele Fahrer unbezahlte Überstunden leisten müssen, wobei Ladezeiten und Zusatzstunden routinemäßig nicht erfasst werden. Einige verdienen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde. Andere, die über kein eigenes Fahrzeug verfügen, werden gezwungen, sich teure Mietwagen von denselben Subunternehmern zu leasen, die sie beschäftigen.

Das rasante Wachstum des Sektors, angetrieben durch den Boom des Online-Handels, hat zu Arbeitskräftemangel und einer starken Abhängigkeit von Subunternehmern geführt. Der Marktführer DHL setzt zwar weniger Subunternehmer ein als Konkurrenten wie DPD, Hermes, GLS oder Amazon – doch selbst in DHLs Strukturen wurden Verstöße festgestellt. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte, die Regierung werde entschlossen gegen illegale Beschäftigung und die Ausbeutung von Arbeitnehmern vorgehen.

Die Ergebnisse lösten scharfe Reaktionen aus. Die Gewerkschaft Verdi forderte ein generelles Verbot von Subunternehmer-Verträgen in der Paketzustellung und argumentierte, diese Praxis ermögliche Missbrauch. Der Branchenverband BPEX verteidigte hingegen das Modell als unverzichtbar für nachhaltiges Wachstum und betriebliche Flexibilität.

Die Kontrollen legten tief verwurzelte Probleme in der Personalführung der Zustellfirmen offen. Da Tausende Beschäftigte von unbezahlten Stunden, illegalen Verträgen und ausbeuterischen Mietmodellen betroffen sind, wächst der Druck auf die Behörden, strengere Regeln durchzusetzen. Die Regierung kündigte weitere Ermittlungen an, während Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände uneins über die Zukunft der Subunternehmer in der Logistik bleiben.

Quelle