Neue Bühne Senftenberg sucht Nachfolge nach überraschendem Abschied von Intendant Daniel Ris
Nuray PlathNeue Bühne Senftenberg sucht Nachfolge nach überraschendem Abschied von Intendant Daniel Ris
Neue Bühne Senftenberg sucht neuen Intendanten nach vorzeitigem Ende von Daniel Ris' Vertrag
Die Neue Bühne Senftenberg wird in Kürze eine Stelle für eine neue künstlerische Leitung ausschreiben, nachdem die Entscheidung gefallen ist, den Vertrag mit Daniel Ris nicht zu verlängern. Seine ursprünglich bis 2027 laufende fünfjährige Amtszeit wurde von der Stadt und den Landkreisträgern vorzeitig beendet. Während offizielle Stellen strukturelle Reformen als Grund angeben, bleiben die genauen Beweggründe für seinen Abgang unklar.
Unter Ris' Führung gewann das Theater wieder regionale Aufmerksamkeit, zog größere Zuschauerzahlen an und steigerte die eigenen Einnahmen. Sein mutiges Programm, darunter provokante Saisoneröffnungen an historischen Orten, belebte das Interesse an der Spielstätte neu. Dennoch hält sich die Spekulation, ob seine deutliche Haltung gegen rechtsextreme Politik eine Rolle bei der Entscheidung spielte.
Daniel Ris übernahm 2022 die Leitung der Neuen Bühne Senftenberg und setzte schnell Akzente. Seine erste Spielzeit begann mit einer vielbeachteten Eröffnungsveranstaltung, die die militante Sportkultur der DDR parodierte. Die Produktion, eine Mischung aus Volkssport, einem Soloauftritt der Schauspielerin Catharina Struwe sowie Debatten über Doping und sportliche Hingabe, sorgte gleichermaßen für Unterhaltung und Diskussionen.
Während seiner Amtszeit steigerte Ris den Kartenverkauf und festigte die finanzielle Eigenständigkeit des Theaters. Sein Ansatz verhalf der Bühne zu einer regionalen Strahlkraft, wie sie zuletzt in DDR-Zeiten zu verzeichnen war. Dennoch hat die Nichtverlängerung seines Vertrages Debatten ausgelöst. Einige Unterstützer vermuten, dass seine offene Kritik an rechtsextremen Gruppen, darunter die AfD, zur Entscheidung beigetragen haben könnte.
Bürgermeister Andreas Pfeiffer betonte, dass Ris' künstlerische Fähigkeiten nicht infrage stünden. Stattdessen verwies er auf umfassendere strukturelle Veränderungen und mögliche Konflikte mit der Haltung des Intendanten im politisch aufgeladenen Umfeld Senftenbergs. Bisher wurden jedoch – Stand März 2026 – keine konkreten Reformen über die Trennung der künstlerischen Leitung von der kaufmännischen Verwaltung hinaus bekannt gegeben.
Ris selbst äußerte Frustration über die Entscheidung, bleibt aber auf seine Arbeit konzentriert. Er bereitet seine vierte Spielzeit vor und lotet gleichzeitig neue berufliche Möglichkeiten aus – so nahm er bereits an seinem ersten Vorstellungsgespräch seit der Bekanntgabe teil.
Die Suche nach einem neuen Intendanten wird bald beginnen; Stadt und Landkreisträger werden voraussichtlich weitere Details veröffentlichen. Ris hinterlässt ein Theater, das an Sichtbarkeit und Einnahmen gewonnen hat, doch die Fragen nach den Gründen für seinen Abgang bleiben bestehen. Seine letzte Spielzeit wird wie geplant stattfinden, während die zukünftige Ausrichtung der Neuen Bühne Senftenberg noch offen ist.