18 April 2026, 16:26

Bolzplatz-Fußball und Herrenschneiderei sind jetzt deutsches Kulturerbe

Alter deutscher Volksfestplakat mit einem Schloss- und Häuser-Illustration, begleitet von Text.

Bolzplatz-Fußball und Herrenschneiderei sind jetzt deutsches Kulturerbe

Deutschland hat neue Traditionen in seine Liste der geschützten Kulturgüter aufgenommen. Zu den neuesten Anerkennung zählen die Herrenschneiderei, die Ostseefischerei und das Straßenfußballspiel auf dem Bolzplatz. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gab die Auswahl gemeinsam mit der Kultusministerkonferenz und der Deutschen UNESCO-Kommission bekannt.

Die neu anerkannten Traditionen umfassen ein breites Spektrum an Handwerkskünsten und Alltagsbräuchen. Die handwerkliche Herrenschneiderei wurde wegen ihrer kulturellen Bedeutung hervorgehoben, doch einige fragen sich, worin sich diese Tradition von ähnlichen Bräuchen in anderen europäischen Ländern unterscheidet. Ebenfalls als immaterielles Kulturerbe aufgenommen wurden die Ostseefischerei, der Straßenfußball sowie die Laternenumzüge zum Martinsfest im Rheinland.

Eine skurrile historische Bekanntmachung – einst auf der Suche nach einem "Jungen Mann zur Reise" – wurde nun offiziell als Teil der deutschen Kulturidentität gewürdigt. Auch die Schaustellerkultur auf Volksfesten fand Eingang in die Liste.

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Doch die Auswahl hat Kontroversen ausgelöst. Weimers jüngste Entscheidung, die Förderung eines Übersetzungsprojekts palästinensischer Autor:innen aus dem Berliner Hauptstadtkulturfonds zu streichen, stieß auf Kritik. Proteste folgten und warfen die Frage auf, was überhaupt schützenswert ist. Selbst die SPD-Sommerfest-Bratwurst, ein fester Bestandteil politischer Veranstaltungen, schaffte es nicht auf die Liste.

Weimers Kriterien für die kulturelle Anerkennung bleiben umstritten. Manche argumentieren, dass alltägliche Aktivitäten wie Fischerei und Straßenfußball im Vergleich zu ausgeprägteren Traditionen in Nachbarländern zu gewöhnlich erscheinen.

Die aktualisierte Liste umfasst nun 110 geschützte Bräuche und vereint Handwerk, Feste und regionale Gepflogenheiten. Vertreter der Behörden verteidigen die Auswahl als Spiegel der vielfältigen Kulturlandschaft Deutschlands. Die Debatte darüber, was staatliche Förderung verdient und warum bestimmte Praktiken keine Berücksichtigung fanden, hält jedoch an.

Quelle