Fuchsjagd in Baden-Württemberg: Warum die Debatte um Naturschutz und Jagdethik neu entfacht ist
Friedrich-Wilhelm WerneckeFuchsjagd in Baden-Württemberg: Warum die Debatte um Naturschutz und Jagdethik neu entfacht ist
Jahrzehntealter Streit um Fuchsjagd in Baden-Württemberg flammt wieder auf
Die Diskussion um die Fuchsjagd in Baden-Württemberg hat neue Brisanz erhalten, nachdem Aussagen des Landesjagdverbands infrage gestellt wurden. Die Jäger argumentieren, dass die Bejagung von Rotfüchsen während der Paarungszeit bedrohter bodennistender Vögel und Niederwildarten schütze. Aktuelle Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass diese Maßnahmen kaum Wirkung zeigen – und möglicherweise auf irreführenden Angaben beruhen.
Vor 2015 gab es in Baden-Württemberg keine Schonzeit für Füchse. Damals gelang es den Jägern trotz intensiver Bejagung nicht, die Bestände von Arten wie dem Rebsthuhn zu stabilisieren. Auch als die Jagdzeit 2020 verlängert wurde, blieben messbare Naturschutzeffekte aus.
Der Wildtierschutz Deutschland wirft dem Jagdverband nun vor, mit falschen Behauptungen zu operieren. Eine Auswertung der Organisation zeigt, dass sich die Fuchsbestände in der Region in den letzten 25 Jahren nicht vermehrt haben – im Gegenteil: Die Zahlen sind sogar rückläufig. Raubtiere wie Füchse seien demnach nicht die Hauptursache für den Rückgang von bodennistenden Vögeln oder Niederwild, so die Tierschützer.
Der Jagdverband pocht weiterhin auf eine kürzere Schonzeit und behauptet, die Bejagung während der Paarungs- und Setzzeit komme dem Artenschutz zugute. Fachleute halten dagegen, dass die Jagd allenfalls einen vernachlässigbaren Einfluss auf die Brutbestände der Vögel habe. Zudem spiele das natürliche Verhalten der Füchse eine Rolle: Soziale Dynamiken in Fuchsrudeln führen oft dazu, dass sich junge Tiere kurz vor und während der Paarungszeit massenhaft verteilen – unabhängig von der Bejagung.
Erfolgreiche Artenschutzprojekte, etwa beim Rebsthuhn oder Kiebitz, gelangten übrigens ohne jagdliche Eingriffe. Dies legt nahe, dass alternative Maßnahmen – statt Bejagung – wirksamer sein könnten, um gefährdete Arten zu schützen.
Der Konflikt offenbart eine Kluft zwischen jagdlicher Praxis und wissenschaftlichen Erkenntnissen. Angesichts sinkender Fuchsbestände und fehlender Nachweise für Naturschutzerfolge durch verlängerte Jagdzeiten könnte sich der Fokus nun auf andere Strategien verlagern. Bis dahin bleibt die Debatte ungelöst – und die Wildtiermanagement-Politik Baden-Württembergs steht weiter in der Kritik.






