Hamburgische Staatsoper wagt mit Schumanns Paradies und Peri einen radikalen Neuanfang
Mustafa TröstHamburgische Staatsoper wagt mit Schumanns Paradies und Peri einen radikalen Neuanfang
Die Hamburgische Staatsoper hat unter ihrer neuen Führung einen mutigen Schritt gewagt. Intendant Tobias Kratzer und Generalmusikdirektor Omer Meir Wellber präsentieren mit ihrer neuesten Inszenierung von Schumanns Das Paradies und die Peri eine ehrgeizige künstlerische Vision. Die Premiere löste zwar zunächst Diskussionen aus, überzeugte das Publikum aber letztlich mit ihrem gewagten, zeitgenössischen Ansatz.
Die Produktion deutet Schumanns Oratorium mit markanten modernen Themen neu. Der sterbende Jüngling, traditionell eine Symbolfigur, wird hier als schwarzer Mann dargestellt, der sich gegen Autoritäten auflehnt, während der Krieg als aktueller Straßenkonflikt inszeniert wird, angeheizt von einem weißen Anführer. Kratzer verwebt zudem die Klimakrise in die Handlung und macht sie zum zentralen Element des dritten Akts.
Auf der Bühne verschwimmen die Grenzen zwischen Darstellern und Zuschauern. Die Sopranistin Vera-Lotte Boecker, in der Rolle der Peri, klettert ins Parkett und setzt sich neben eine weinende Zuschauerin. Die vierte Wand ist gebrochen – die Schauspieler wenden sich häufig direkt an das Publikum. Wellbers Orchester liefert eine mitreißende Leistung, die die Solisten mit ihrer Intensität bisweilen überstrahlt.
Die Premiere stieß zunächst auf geteilte Reaktionen: Einige Besucher buhten, doch am Ende brandete begeisterter Applaus auf. Die Produktion ist Teil eines umfassenderen Wandels an der Oper, wo Kratzer und Wellber das Repertoire neu gestalten. Ihre Initiative Framing the Repertoire ergänzt die Stücke durch Gespräche, Workshops und kuratierte Bibliotheken. Zudem Auftragswerke, die zeitgenössische Musik mit klassischen Werken verbinden.
Für die Zukunft plant das Haus weitere selbst kuratierte Abende, darunter die Uraufführung von Die Große Stille 2026 mit Mozart-Bearbeitungen von Christopher Rüping. Kratzer hat sein Ziel klar formuliert: die Hamburgische Staatsoper zugänglicher und relevanter für die vielfältige Stadtgesellschaft zu machen.
Die Inszenierung markiert einen Wendepunkt für die Hamburgische Staatsoper. Mit ihrer mutigen Bühnensprache und der Auseinandersetzung mit aktuellen Themen leitet sie eine neue Ära unter Kratzer und Wellber ein. Die begeisterte Resonanz am Ende deutet darauf hin, dass das Publikum bereit ist für diese frische Richtung im Musiktheater.






